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Turbulente Scheibe
Asymmetrische Akkretionsscheibe einer Nova ruft Schwankungen in der
Röntgenstrahlung hervor

Bild: Mark A. Garlick
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Eine künstlerische Darstellung eines engen Doppelsternsystems,
das der Vorläufer einer Nova sein kann
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Wenn ein Weißer Zwerg in einem Doppelsternsystem Materie von seinem
Begleitstern abzieht und diese Materie schließlich, nachdem er eine
kritische Masse erreicht hat, explosionsartig abstößt, entsteht eine
Nova. Weiche Röntgenstrahlen von klassischen Novae sind für Astronomen
von besonderem Interesse: Sie zeigen die anhaltende Verbrennung von
Wasserstoff nach der Explosion und liefern damit einen Hinweis darauf,
dass ein Rest der übergetretenen Materie auf der Oberfläche des Weißen
Zwerges auch nach dem Abstoßungsvorgang zurückbleibt. Deshalb kann die
langfristige Entwicklung eines Weißen Zwerges in einem solchen Partnersystem
verfolgt und so beispielsweise die Frage geklärt werden, ob sich die Nova
später in eine Supernova vom Typ Ia - die mit Abstand hellsten Supernovae -
verwandeln wird.
Gloria Sala und Jochen Greiner vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische
Physik haben gemeinsam mit ihren Kollegen Margarita Hernanz und Carlo Ferri
vom Institut de Ciències de l'Espai (CSIC-IEEC) in Bellaterra, Spanien die
Nova V5116 Sagittarii (V5116 Sgr), die im Juli 2005 entdeckt worden war, mit
dem ESA-Röntgen-Weltraumobservatorium XMM-Newton beobachtet und stellen
die dabei gewonnene Röntgenlicht-Kurve und das Breitband-Spektrum der Nova
jetzt in einem Aufsatz vor (The Astrophysical Journal Letters, 10. März 2008).
Obwohl die Röntgenlicht-Emissionskurve abrupte Steigerungen und Rückgänge
zeigt, wurde in den Stadien mit hoher und denen mit niedriger Emission die
gleiche Temperatur in der Atmosphäre des Weißen Zwerges gemessen. Sala und
ihre Kollegen widerlegen damit die Annahme, dass Veränderungen auf der
Oberfläche des Weißen Zwergsterns selbst die Schwankungen in der Ausstrahlung
von Röntgenlicht hervorrufen könnten.
Das Auf und Ab der Emissionskurve kann stattdessen mit einer zeitweisen
Überdeckung der Röntgenquelle erklärt werden. Eine Überdeckung durch den
Partnerstern kann aufgrund des Verlaufs der Röntgenlichtkurve ausgeschlossen
werden: "Die Verdeckung durch den Begleitstern würde eine kurze Absenkung
und eine längere Hochphase nach sich ziehen. In der Lichtkurve dieser Nova
gibt es aber zwei kurze Hochphasen und ein langes Tief", erläutert Gloria
Sala. Das Einzige, das die Oberfläche des Zwergsterns somit noch verdecken
könnte, ist die Akkretionsscheibe aus dem vom Begleitstern abgezogenen Gas,
die um den Weißen Zwerg rotiert. "Falls der Weiße Zwerg ein Magnetfeld hätte,
würde es die Gasströmung zwischen den beiden Partnersternen stören", so die
Wissenschaftlerin. Die Folge davon wäre eine asymmetrische Form der
Akkretionsscheibe. Sala und ihre Kollegen meinen damit die Ursache für die
Schwankungen in der Röntgenstrahlung gefunden zu haben.
"Von den bisher gewonnenen Daten können wir nicht genau sagen, wie die
Akkretionsscheibe aussieht und ob es wirklich ein magnetisches Feld gibt",
betont Sala. "Wir nehmen aber an, dass es asymmetrische Akkretionsscheiben
gibt." Die Autoren wollen ihre Vermutung nun mit ausgiebigeren Beobachtungen
im Röntgenlicht überprüfen.
Originalveröffentlichung:
Astrophys. Journ. Letters, 675, L93 - L96, 2008
Pressemitteilung:
ESA (in englischer Sprache)
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Mona Clerico
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik und
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3980
E-Mail: clerico@mpe.mpg.de
Dr. Gloria Sala
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3848
E-Mail: gsala@mpe.mpg.de
MPE Webseiten:
http://www.mpe.mpg.de/main-d.html
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