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Astronomen entdecken Zusammenhang zwischen supermassereichen schwarzen
Löchern und der Bildung von Galaxien
John Kormendy von der University of Texas in Austin und Ralf Bender vom
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und von der Universitäts-Sternwarte
München haben neue Hinweise darauf gefunden, dass sich Galaxien und ihre zentralen
massereichen schwarzen Löcher in engem Wechselspiel miteinander entwickeln. Die
Beobachtungen stützen die These, dass sich bei der Verschmelzung von Galaxien
Paare schwarzer Löcher bilden, die sehr effektiv Sterne aus den Zentren von Galaxien
hinauskatapultieren. Die schwarzen Löcher nähern sich dabei immer näher an und
verschmelzen am Ende zu einem größeren schwarzen Loch. Durch diesen Prozess verringert
sich die zentrale Sterndichte proportional zu der Masse des schwarzen Loches. Dieses
Ergebnis wurde am 1. Februar 2009 in Astrophysical Journal Letters publiziert.

Die beiden elliptischen Galaxien NGC 4621 und NGC 4472 im Virgo-Galaxienhaufen
sehen auf grossen Skalen sehr aehnlich aus (Bilder des Sloan Digitial Sky Survey
auf der rechten Seite). Vergroessert man aber die Kerngebiete so zeigt sich, dass
die Sterndichte im Zentrum von NGC 4472 sehr viel geringer ist als im Zentrum von
NGC 4621. In NGC 4472 wurden die Sterne durch die Wechselwirkung mit einem sich
umkreisenden Paar schwarzer Loecher herausgeschleudert.
Bilder: NASA/AURA/STScI und WikiSky/SDSS
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Die Theorie, dass Paare schwarzer Löcher Sterne aus den Zentren der Galaxien
hinausschleudern, war die favorisierte, aber bisher unbewiesene Erklärung einer
überraschenden Beobachtung, die mit dem Hubble Space Telescope in den 1990er Jahren
gemacht wurde. Mehrere Gruppen von Astronomen, darunter auch Kormendy und Bender
konnten zunächst zeigen, dass praktisch alle leuchtkräftigen Galaxien massereiche
schwarze Löcher in ihren Zentren beherbergen. Die größten Löcher, mit Massen bis
über eine Milliarde Sonnenmassen, findet man dabei in den so genannten elliptischen
Galaxien. Da diese supermassereichen schwarzen Löcher Sterne besonders stark anziehen,
könnte man erwarten, dass in ihrer Umgebung die Sterndichte ausgesprochen hoch sein
sollte. Tatsächlich wird aber das Gegenteil beobachtet. Die massereichsten elliptischen
Galaxien, die wahrscheinlich aus einer Serie von Verschmelzungsprozessen entstanden sind,
zeigen überraschenderweise die geringsten Sterndichten. Wie ist es möglich, dass aus
kleineren Galaxien mit höheren zentralen Sterndichten nach einem Verschmelzungsprozess
eine elliptische Galaxie mit geringerer Sterndichte entsteht, und das trotz des
Vorhandenseins eines supermassereichen schwarzen Loches im Zentrum? Wohin sind die
Sterne verschwunden?
Ein Erklärungsansatz zur Lösung dieses Rätsels bestand darin, anzunehmen dass sich im
Laufe des Verschmelzungsprozesses zweier Galaxien ein Paar schwarzer Löcher bildet.
Dies ist in der Tat praktisch zwangsläufig der Fall, wenn beide Vorgängergalaxien schwarze
Löcher enthalten. Ein Paar sich umkreisender schwarzer Löcher wirkt aber wie eine Art
Rührmixer. Kommt ein Stern diesem Paar zu nahe, so kann er aus der Galaxie hinausgekickt
werden. Je massereicher die schwarzen Löcher sind, desto größer ist die Wucht dieses
Effektes und desto mehr Sterne sollten aus der Umgebung der schwarzen Löcher
hinwegkatapultiert werden. Der Prozess ist physikalisch der gleiche wie bei der "fly-by"
Methode, die man benutzt um Satelliten durch einen Vorbeiflug an einem Planeten zu
beschleunigen. Aber ist diese Theorie zutreffend? Bisher hatte keine Beobachtung dies
zwingend bewiesen.
Dies ändert sich durch die neue Entdeckung von Kormendy und Bender. Zusammen mit David
Fisher und Mark Cornell publizierten sie vor kurzem beispiellos genaue Messungen der
Dichteprofile elliptischer Galaxien. Dies erlaubte Kormendy und Bender viel genauer die
Gesamtmasse der Sterne zu berechnen, die in den Zentren der größten elliptischen Galaxien
quasi fehlen. Dabei erwies sich, dass die fehlende Masse streng proportional zur
gemessenen Masse des zentralen schwarzen Loches ansteigt. Es war bekannt, dass beide
Größen im Zusammenhang stehen, aber es war nicht klar, dass die Korrelation so eng ist,
wie es durch die Messungen von Kormendy und Bender nun deutlich wurde; die Streuung der
Messwerte kann allein durch die Messfehler erklärt werden. Die fehlende Masse erhöht sich
auch proportional mit einer anderen Galaxieneigenschaft, von der bekannt ist, dass sie
direkt mit der Masse der schwarzen Löcher zusammenhängt, nämlich der mittleren
Geschwindigkeit, mit denen sich Sterne weit draußen in der Galaxie bewegen, wo sie
die Anziehungskraft des schwarzen Loches nicht spüren.
"Unsere neuen Beobachtungen zeigen einen starken und direkten Zusammenhang zwischen
schwarzen Löchern und Galaxieneigenschaften", sagt Kormendy. "Sie stellen einen
eindeutigen Beweis dar, dass schwarze Löcher und die Bildung der erstaunlich "luftigen"
Zentren der massereichsten elliptischer Galaxien miteinander verknüpft sind." Sein
Kollege Bender erklärt: "Die verblüffend enge Korrelation zwischen der Masse der
fehlenden Sterne und der Masse der schwarzen Löcher zeigt uns, wie maßgeblich die
Bildung und Struktur von Galaxienzentren durch schwarze Löcher beeinflusst wird."
"Messungen der fehlenden Masse und Messungen der Geschwindigkeiten, mit denen sich
Sterne in elliptischen Galaxien bewegen, stellen für uns jetzt zwei unabhängige
Verfahren dar, mit denen wir die Massen schwarzer Löcher schätzen können," so Kormendy.
"Wenn wir sie miteinander und mit direkten Messungen der Masse vergleichen, gelangen
wir zu einem besseren Verständnis, wie sich Galaxien und ihre schwarzen Löcher
gemeinsam entwickelt haben."
Für ihre Arbeit kombinierten Kormendy und Bender die Messungen von einer Vielzahl von
Teleskopen, insbesondere am McDonald Observatory der University of Texas, sowie das
Hubble Space Telescope.
Gemeinsame Pressemitteilung des MacDonald Observatory der University of Texas in
Austin (USA), des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (Garching),
der Sternwarte der Ludwig-Maximilians-Universität (München)
und der Astronomie-Abteilung der National Science Foundation (USA)
Originalveröffentlichung:
The Astrophysical Journal Letters, Volume 691, Issue 2, pp. L142-L146 (2009).
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Mona Clerico
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik und
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3980
E-Mail: clerico@mpe.mpg.de
Prof. Dr. Ralf Bender
Direktor
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3503
E-Mail: bender@mpe.mpg.de
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