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Plasma-Experiment feiert Jubiläum an Bord der ISS
Am 27. Januar 2010 beginnt zum 25. Mal eine Serie von Experimenten zu Komplexen Plasmen an Bord der
internationalen Raumstation ISS. Physiker am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in
Garching untersuchen damit grundlegende Prozesse, die ein besseres Verständnis der Vorgänge in
Flüssigkeiten und Festkörpern erlauben.

Abbildung 1: Kosmonaut Oleg Kotov mit dem PK-3 Plus-Labor in MIM-2, dem neuen russischen Docking- und
Forschungsmodul, nach dem Aufbau der Experimentapparatur (vorne, in schwarzer Tonne) und des Kontroll-Computers
(hinter dem Kosmonauten).
Bild: mit freundlicher Genehmigung von RKK-Energia.
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Drei Aggregatszustände der Materie sind jedem bekannt: fest, flüssig oder gasförmig. In unserem
Universum dominiert mit 99 Prozent aber ein vierter Zustand: das Plasma. Dieser bildet sich, wenn
Gas so stark erhitzt wird, dass sich seine Moleküle in Ionen und freie Elektronen aufspalten. Man
könnte deshalb denken, dass ein Plasma besonders ungeordnet ist. Forscher am Max-Planck-Institut
für extraterrestrische Physik (MPE) haben aber herausgefunden, dass sogenannte "Komplexe" Plasmen
unter besonderen Bedingungen flüssig werden können oder sogar kristallisieren. In diesem Zustand
ermöglichen sie ganz neue Einblicke in die Physik von Flüssigkeiten oder Festkörpern. Die Plasmaphysiker
können so beispielsweise das Schmelzen und Erstarren (die Kristallisation), die Gitter-Defektbewegung in
Kristallen, oder Flüssigkeitseffekte auf der Basis einzelner Atome beobachten.
Komplexe Plasmen bestehen aus winzigen Teilchen (etwa ein Tausendstel Millimeter groß), die sich in
einem Plasma befinden und hoch negativ aufgeladen werden. Durch die starke Wechselwirkung zwischen den
Teilchen können sich diese in regulären Strukturen, sowohl flüssig als auch fest, anordnen. Da das
Schwerefeld der Erde auf diese Vorgänge störend wirkt, werden die Experimente dazu im Weltall durchgeführt.
Die Erforschung Komplexer Plasmen mit dem Labor PKE-Nefedov war 2001 das erste naturwissenschaftliche
Projekt auf der Internationalen Raumstation ISS und in der Anfangsphase auch das erfolgreichste.
Mittlerweile ist das Nachfolgelabor PK-3 Plus bereits seit vier Jahren in Betrieb und liefert wie schon
sein Vorgänger einzigartige Ergebnisse. Die jetzt vom 27. bis 29. Januar durchgeführte Serie von neuen
Experimenten ist die 25. Mission zur komplexen Plasmaforschung unter Schwerelosigkeit. Mit diesem Experiment
wird PK-3 Plus außerdem permanent im neuen ISS-Modul MIM-2 installiert und als dessen erstes wissenschaftliches
Experiment betrieben.

Abbildung 2: Phasentrennung (Tropfenbildung) in einem binären Komplexen Plasma auf der ISS.
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Eines der Experimente im PK-3 Plus-Labor beschäftigt sich mit "binären" Komplexen Plasmen: Bringt man zwei
Teilchenarten unterschiedlicher Größe in ein homogenes Hintergrundplasma ein, so sollte man erwarten, dass
sich durch die abstoßenden Kräfte beide gut durchmischen. In den bisher auf der ISS unter Schwerelosigkeit
durchgeführten Experimenten zeigen die Teilchenwolken allerdings eine klare Phasentrennung der beiden
Teilchenarten (siehe Abb. 2).
"Dieses Phänomen ist aus den unterschiedlichsten Systemen, wie beispielsweise molekularen Flüssigkeiten
oder kolloidalen Suspensionen gut bekannt und wird seit langem untersucht", sagt Hubertus Thomas,
Wissenschaftler am MPE und Koordinator des PK-3 Plus Experiments. "In komplexen Plasmen kann dies aber
erstmalig durch die Bewegung einzelner Partikel untersucht werden, und wir erhoffen uns mit den jetzt
gestarteten Experimenten neue Einblicke in die Physik der Phasentrennung."
Die Erforschung komplexer Plasmen ist somit eine interdisziplinäre, auf grundlegende physikalische
Fragestellungen ausgerichtete Forschung. Wie so oft stellt diese allerdings wichtige Weichen für die
angewandte Forschung: Die Erkenntnisse und Erfahrungen der Plasma-Experimente im Labor und auf der ISS
führten zu einem ganz neuen Zweig in der Medizin, der sogenannten Plasmamedizin. Hier wird derzeit in
einer klinischen Studie untersucht, wie Plasmen zur kontaktfreien Sterilisierung von Wunden, zur
Desinfizierung von Händen im Klinikbereich oder zur Behandlung von Parodontose eingesetzt werden können.
Danksagung
Die jahrelange, kontinuierliche Forschung an Bord der ISS ist nur möglich durch die bilateralen
Übereinkünfte mit Russland. Das MPE-Partnerinstitut in Moskau, das "Joint Institute for High Temperatures"
der Russischen Akademie der Wissenschaften, ist maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt, indem es die
notwendigen Ressourcen und Logistik von russischer Seite zur Durchführung der komplexen Plasmaforschung
auf der ISS sicherstellt. Der deutsche Beitrag, gefördert von der Raumfahrt-Agentur des Deutschen Zentrums
für Luft und Raumfahrt e. V. mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, bestand im
Bau und Test eines weltraumtauglichen Labors für die Plasmakristall (PK)-Forschung.
Weiterführende Verweise:
Joint Institute for High Temperatures in Moskau:
http://jiht.ru/
(in russischer Sprache)
Minor Investigation Modul 2 (MIM-2) auf der ISS:
http://suzymchale.com/ruspace/mim2.html
(in englischer Sprache)
Plasmamedizin-Forschungsgruppe am MPE:
http://www.mpe.mpg.de/theory/plasma-med/index.html
(in englischer Sprache)
Weitere Pressemitteilungen:
DLR Presse-Information
Weitere Informationen erhalten Sie von:
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Dr. Hubertus Thomas
Theorie Gruppe
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3838
E-Mail: thomas
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Dr. Hannelore Hämmerle
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik und
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3980
E-Mail: hannelore.haemmerle
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