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Herschel findet warmes Wasser auf Rotem Riesenstern
Astronomen haben mit dem Herschel Weltraumobservatorium der ESA an einer Stelle Wasser gefunden, an der man es
nicht für möglich gehalten hätte: in der Atmosphäre eines Kohlenstoff-reichen Roten
Riesensterns. Die Wissenschaftler werten hierfür Daten der SPIRE- und
PACS-Instrumente aus, mit denen sie den Wasserdampf anhand seines "Wellenlängen-Fingerabdrucks"
nicht nur identifizieren sondern auch seine Temperatur messen konnten. Das PACS-Spektrometer wurde
von mehreren Instituten unter der Federführung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische
Physik entwickelt.

Ein Bild des Roten Riesensterns CW Leonis, aufgenommen von den PACS- und SPIRE-Kameras an Bord
von Herschel. Der Stern selbst strahlt zu hell, um ihn gut sehen zu können, er bläst aber Materie
in einem gewaltigen Sternwind von sich weg, der als "Bugwelle" links neben dem Stern erkennbar ist.
Beobachten mit den PACS- und SPIRE-Spektrometern zeigten, dass Wasserdampf nahe der Sternoberfläche
erzeugt wird - an einem Ort, an dem man dies zuvor für unmöglich hielt. Das bedeutet, dass der
Sternwind viel "klumpiger" sein muss, als bisher angenommen. Der Sternwind ist an einigen Stellen
viel schwächer als an anderen und somit kann UV-Licht aus dem interstellaren Raum tiefere, warme
Regionen erreichen und die Entstehung von Wasser einleiten.
Bild: ESA / SPIRE & PACS
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CW Leonis ist ein Roter Riesenstern im Sternbild Löwe, ein Stern am Ende seines Lebens, der mit 1,4
bis 4 Sonnenmassen auf ein Größe angewachsen ist, die mehr als dem 200-fachen der Sonne entspricht.
Im Infrarotlicht ist es der hellste Stern am Himmel, bei optischen Wellenlängen lässt er sich aber
kaum nachweisen.
Der Stern gehört zu den "Kohlenstoffsternen", da ein Großteil des Kohlenstoffs, der im Innern des
Sterns durch Kernfusionsprozesse erzeugt wurde, in die äußeren Schichten der Sternatmosphäre transportiert
wurde. Aufgrund des hohen Kohlenstoffgehalts sollte praktisch der gesamte Sauerstoff in der Atmosphäre in
Kohlenmonoxid (CO) gebunden sein - damit sollte es dort kein Wasser (H2O) geben. Schon 2001 entdeckte
allerdings der "Submillimeter Wave Astronomy"-Satellit (SWAS) Strahlung bei einer bestimmten Wellenlänge
und wies somit die Existenz von Wasser nach. Als mögliche Erklärung wurde vorgeschlagen, dass der
Sternenwind Wasser aus einer Wolke eisiger Kometen um den Stern freisetzt.
Herschel hat nun den "Fingerabdruck" des Wassers bei sehr viel mehr Wellenlängen nachgewiesen und
es so ermöglicht, die Temperatur des Wasserdampfes zu messen: bis zu 1000 Grad. Dies bedeutet, dass
der Wasserdampf im gesamten Sternwind verteilt ist bis hinunter zur Oberfläche des Sterns selbst. Das
Model des Sternwinds, der mit einer entfernten, eisigen Kometenwolke wechselwirkt, muss nun durch ein
Model ersetzt werden, in dem der Wasserdampf durch bisher nicht vermutete chemische Prozesse erzeugt
wird. Einige dieser Reaktionen können durch UV-Strahlung ausgelöst werden. Das ultraviolette Licht
zerstört das Kohlenmonoxid-Molekül und setzt so Sauerstoffatome frei, die mit Wasserstoff reagieren
und so Wassermoleküle bilden können.
Die einzige Quelle des UV-Lichts ist der interstellare Raum; durch das Material im Sternwind sollte
diese Strahlung aber normalerweise blockiert werden. Es war bereits bekannt, dass der Sternwind
"klumpig" ist, und die Herschel-Ergebnisse haben nun gezeigt, dass einige Bereiche um den Stern
sogar fast leer sein müssen. Diese Hohlräume erlauben es dem UV-Licht bis in die tiefsten Schichten
der Sternatmosphäre vorzudringen und die chemischen Reaktionen auszulösen, die schließlich zur
Entstehung von Wasser führen.
Originalveröffentlichung:
Warm water vapour in the sooty outflow from a luminous carbon star
L. Decin, M. Agúndez, M. J. Barlow, et al.
Nature 467, 64–67 (2010) (in englischer Sprache)
doi:10.1038/nature09344
Pressemitteilung:
Institute for Astronomy of the Katholieke Universiteit Leuven, Belgien (in englischer Sprache)
Kontakt:
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