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Totale Sonnenfinsternis in Patagonien
Am 11. Juli 2010 fand eine der am schwersten zugänglichen Sonnenfinsternisse unserer Zeit statt.
Die Totalität begann mitten im Pazifischen Ozean, mehr als 1000 Kilometer nordöstlich von Neuseeland,
streifte die südlichste der Cookinseln, ein paar zu Französisch-Polynesien gehörende kleine Atolle und
die Osterinsel, bevor der Kernschatten zu guter Letzt im Süden Argentiniens, in Patagonien, endete.
Auch wenn Finsternisse nicht zu den wissenschaftlichen Themen am Max-Planck-Institut für extraterrestrische
Physik gehören, so sind sie doch faszinierende astronomische Ereignisse, die unsere Wissenschaftler in ihren
Bann ziehen. Ein Reisebericht von Anita Winter und Maria Fürmetz.

Totalität
Bild: Jean-Luc Dighaye
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Trotz der widrigen Umstände für die Beobachtung im Süden von Argentinien buchten wir eine Reise
nach El Calafate. Zum einen gab es für den patagonischen
Winter laut der Wettervorhersagen eine Wolkenwahrscheinlichkeit von über 95%, zum anderen fand die
Totalität nur wenige Minuten vor Sonnenuntergang über den Anden statt. Dies wäre selbst bei gutem
Wetter ein fast unmögliches Unterfangen - im Fall des Falles aber zugegebenermaßen eine der
ungewöhnlichsten und schönsten Finsternisse, die man sich vorstellen kann. Trotzdem wollten wir
dieses Risiko nicht eingehen und buchten einen Flug, der uns über die Wolken bringen und außerdem
eine weitere Minute Totalität verschaffen sollte.
Kurz vor unserem Abflug nach Buenos Aires erfuhren wir, dass eben dieser Charterflug aufgrund
technischer Probleme des Flugzeugs nicht stattfinden würde - womit unsere Chance, die Finsternis
zu sehen, von nahezu 100% auf fast 0% sank. Nichtsdestotrotz brachen wir nach Argentinien auf,
nur um bei der Ankunft in Buenos Aires zu erfahren, dass auch unser Weiterflug nach El Calafate
durch einen Streik der Fluglotsen gefährdet war. Die Alternative - eine 24stündige Busfahrt -
war alles andere als verlockend. Doch diesmal war das Glück auf unserer Seite und die Maschine
nach El Calafate hob, wenn auch mit Verspätung, ab. In Patagonien erwartete uns tiefster Winter
und entsprechend der Vorhersagen war der Himmel größtenteils bewölkt.
Nach nur einer Übernachtung war es auch schon soweit: der Tag der Finsternis und die letzte Etappe
zu unserem Beobachtungsort. Aus unerklärlichen Gründen hatten wir beide bereits kurz nach dem
Aufwachen ein gutes Gefühl. Dies bestätigte sich, als wir noch vor Sonnenaufgang draußen einen
sternklaren Himmel erblickten. Nach einer kurzen Einführung in den Südsternhimmel machten wir
am berühmten Perito-Moreno-Gletscher einen Zwischenstopp, wo wir bei komplett wolkenlosem Himmel
einen einmaligen Ausblick hatten. Selbst die Einheimischen bestätigten uns, wie ungewöhnlich das war.
Anschließend ging es direkt auf knapp 1000 Meter Höhe. Unser Beobachtungsort dort bot uns den zweiten
unvergesslichen Anblick dieses Tages: Die verschneiten Anden erstrahlten in gleißendem Sonnenlicht,
darunter der tiefblaue Lago Argentino, der größte See Argentiniens. Langsam aber sicher breitete sich
Optimismus aus, da noch immer keine Wolke am Himmel zu sehen war.
Zwar zogen eine Stunde vor der Finsternis erste Wolken von Osten heran, trotzdem trat ein, was niemand
zuvor geglaubt hätte: wir sahen die Totalität ohne eine einzige Wolke, nur ein knappes Grad über den
Bergen, darunter der See - ein unvergesslicher, beeindruckender und wunderschöner Anblick. Die Korona
war aufgrund des tiefen Sonnenstandes strahlend gelb und wir konnten sogar den Schattenkonus beobachten,
wie er zuerst auf uns zuraste und nach der Totalität von der Erde abhob. Wir waren damit die letzten
Zeugen dieses fantastischen Naturschauspiels.
Der heftige Schneesturm, der uns erreichte, während wir in unseren Zelten auf die Allrad-Trucks für
unsere Fahrt zurück in die Stadt warteten, konnte uns nicht davon abhalten, zu feiern und die Ereignisse
der letzten Stunden Revue passieren zu lassen. Alle Strapazen waren vergessen, die Reise hatte sich
mehr als gelohnt und wir sind unglaublich dankbar, dieses einmalige Schauspiel mit eigenen Augen
gesehen zu haben. Trotz der Rückschläge und Nerven, die uns die Reise gekostet hat, bleibt somit
die Erinnerung an eines der schönsten astronomischen Ereignisse, von der wir noch lange zehren werden.

3. Kontakt
Bild: Anita Winter / MPE
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Kontakt:
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