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Kaltes Plasma beseitigt Ehec-Bakterien
In ersten Experimenten reduzieren Prototypen alltagstauglicher Geräte die Zahl der gefährlichen
Erreger drastisch
Die nächste Welle von Infektionen mit Ehec-Bakterien lässt sich möglicherweise verhindern.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching und des
Münchener Klinikums Schwabing haben verschiedene Ehec-Bakterienstämme wirkungsvoll mit kaltem
Plasma abgetötet. Kaltes Plasma besteht aus einem Gas, das bei moderater Temperatur stark ionisiert
wird. Es erwies sich nun auch als wirkungsvolles Mittel gegen die Erreger des Stamms O104:H4,
der den aktuellen Ausbruch mit tausenden schweren Krankheitsverläufen ausgelöst hat. Für ihre
Experimente benutzten die Forscher Prototypen von Geräten, die sich für den kostengünstigen
Einsatz in Lebensmittelbetrieben und in privaten Haushalten eignen könnten.

Eine Handhabe gegen Ehec-Bakterien: Mit diesem Gerät könnten Verbraucher Lebensmittel in der
heimischen Küche von gefährlichen Bakterien wie dem Ehec-Erreger befreien.
Bild: Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
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Mehr als 100 Kulturen fünf verschiedener Ehec-Stämme reduzierten Mitarbeiter des
Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik und des Städtischen Klinikums
Schwabing mit kaltem Plasma drastisch. Bei allen Bakterien-Stämmen handelte es sich
um die Shiga-Toxin produzierenden E. coli Bakterien des Serotyps O104:H4, die während
der aktuellen Ehec-Welle von Patienten mit HUS-Syndrom isoliert wurden. Die Kulturen
der Erreger behandelten die Wissenschaftler in der Mikrobiologie-Abteilung des Schwabinger
Krankenhauses mit zwei Prototypen, die kalte Plasmen erzeugen und am Max-Planck-Institut
für extraterrestrische Physik konstruiert wurden. "Die Resultate sind aus unserer Sicht sehr
überzeugend", sagt Gregor Morfill, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische
Physik und Leiter der Untersuchung. "Die Ehec-Bakterien sind zwar etwas widerstandfähiger
als normale E. coli Bakterien, für die Inaktivierung spielt das aber keine Rolle."
Eines der Geräte, das sich modular erweitern lässt, kann nach einer entsprechenden
Weiterentwicklung zu großen Anlagen ausgebaut werden. Darin könnten Betriebe, die
Lebensmittel verarbeiten, gefährliche Ehec-Bakterien schon in der Produktion und
Aufbereitung beseitigen. In den aktuellen Experimenten verminderte der Test-Apparat
die Zahl der Erreger in 15 Sekunden auf ein 10 000stel - das reicht, damit Obst und
Gemüse bedenkenlos verzehrt werden können. Das andere Instrument könnten Verbraucher
nutzen, um die Krankheitserreger in der heimischen Küche abzutöten. Es ist in etwa so
groß wie eine Taschenlampe, könnte für rund 100 Euro gefertigt werden und dezimierte
die Krankheitskeime in 20 Sekunden sogar auf ein 100 000stel. "Diese Prototypen müssen
nun noch zur industriellen Reife gebracht werden", sagt Gregor Morfill.
Plasmen finden bereits heute Anwendung in der Medizin und dienen etwa dazu, chirurgisches
Besteck zu sterilisieren. Doch diese Plasmen sind gewöhnlich heiß. Frische Lebensmittel kann
man damit nicht behandeln. Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts erzeugen dagegen
Plasmen, die etwa handwarm sind. Mit solchen Plasmen untersuchen die Physiker unter anderem
auf der Weltraumstation ISS, wie sich Kristalle bilden und wie Flüssigkeiten fließen. "Weil
unsere Plasmen kalt sind, hat es sich natürlich angeboten, sie in der Medizin anzuwenden",
sagt Gregor Morfill. So testen die Forscher derzeit in einer klinischen Studie, ob sich mit
den kalten Plasmen chronisch entzündete Wunden behandeln lassen oder ob Krankenhaus-Mitarbeiter
damit ihre Hände desinfizieren können. Erste Heilungserfolge konnten mit dieser neuen Methode
bereits erzielt werden und den aktuellen Experimenten zufolge könnten Geräte mit kaltem
Plasma nun auch dazu beitragen, die Lebensmittel-Hygiene zu verbessern.
Zum Schluss noch eine wichtige Frage - schmecken die mit Plasma behandelten Lebensmittel
noch? Das kann natürlich nicht umfassend beantwortet werden. Dazu müsste man alle einschlägigen
Lebensmittel testen. Aber generell ist die Aussage aus einer Reihe von Untersuchungen, dass
diese kalten Plasmen keine wesentliche Oberflächenmodifikation (auch nicht an hitzeempfindlichen
Oberflächen, wie z.B. menschliche Haut selbst bei 100fach höherer Plasmadosis) erzeugen können,
und deshalb vermutlich auch weder Geschmacksveränderungen hervorrufen noch Nährstoffe verändern
sollten. Das Plasma modifiziert die Luft "homöopathisch" für kurze Zeit nur, danach rekombiniert
alles wieder ohne Rückstände "ökologisch" zurück.
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