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Observatorium dreht "Himmels-Film": Pan-STARRS beginnt systematische Durchmusterung
Das Projekt Pan-STARRS hat mit einzigartigen Beobachtungen großer Teile des Nachthimmels
begonnen, bei denen erstmals systematisch und im großen Stil nach veränderlichen Phänomenen gesucht
wird. Die Beobachtungsdaten erlauben die Suche nach Asteroiden, die die Erde bedrohen könnten,
geben aber auch Aufschlüsse über einige der größten kosmischen Rätsel wie Dunkle Materie und
Dunkle Energie. Wissenschaftler der Max-Planck-Institute für Astronomie und extraterrestrische
Physik sind mit einer Reihe von Projekten an den Beobachtungen beteiligt, unter anderem an der
Suche nach Planeten um ferne Sterne, Braune Zwerge ("gescheiterte Sterne") und weit entfernte
aktive Galaxien.

Abb.1: Das Pan-STARRS1 Observatorium kurz vor Sonnenaufgang auf dem Haleakala, Maui.
Bild: Rob Ratowski
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Die ewig gleichen Konstellationen des Sternenhimmels sind geradezu ein Sinnbild des
Unveränderlichen. Doch bei genauerem Hinsehen ist am Nachthimmel einiges los - von Objekten
wie veränderlichen Sternen bis zu seltenen Ereignissen, die jeweils nur für einen kurzen
Zeitraum sichtbar sind. Jetzt hat eine Durchmusterung begonnen, die sich gezielt solchen
veränderlichen Phänomenen widmet. Pan-STARRS1 soll von rund 75% des Nachthimmels 30 zeitversetzte
Aufnahmen anfertigen; von besonders interessanten Gebieten werden Zeitserien mit mehreren
hundert Bildern erstellt. So entsteht ein einmaliger "Himmelsfilm".
"Jeden Monat beobachtet Pan-STARRS1 ein Sechstel des Himmels in fünf verschiedenen
Wellenlängenbereichen", erklärt Dr. Roberto Saglia vom Max-Planck-Institut für
extraterrestrische Physik. "Damit können wir zum einen sehr gut Helligkeitsvariationen am
Himmel aufspüren, zum anderen aber auch besonders tiefe Aufnahmen von großen Himmelsregionen
machen." Bestimmte Himmelsregionen werden dabei sogar jede Nacht beobachtet. Bei den
Beobachtungen soll unter anderem eine einzigartig detaillierte dreidimensionale Karte
unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, entstehen. In unserer Nachbargalaxie Andromeda
soll Pan-STARRS1 ein komplettes Inventar veränderlicher Objekte erstellen.
Pan-STARRS1 ist dabei zum einen eine klassische Durchmusterung, bei der nach bekannten Klassen
von Himmelsobjekten gesucht wird - von extrem schwach und rötlich leuchtenden Braunen Zwergen
(Objekten, die nicht genügend Masse besitzen, um sich zu richtigen Sternen zu entwickeln) in
unserer Milchstraße bis zu den frühesten aktiven Galaxien in mehr als 13 Milliarden Lichtjahren
Entfernung ("Quasare bei Rotverschiebung z=7"). Ein anderer Teil der Suche ist von grundlegendem
praktischen Interesse: Pan-STARRS1 soll Asteroiden aufspüren, die groß genug sind, um bei
einem Zusammenstoß mit der Erde eine globale Katastrophe auszulösen.
Da Pan-STARRS1 seinen Blick wiederholt auf die gleichen Himmelsregionen richtet, kann es Veränderungen
nachweisen. So lassen sich beispielsweise "Exoplaneten-Transits" ausfindig machen - Planeten, die
einen fernen Stern so umkreisen, dass sie sich dabei von der Erde aus gesehen regelmäßig zwischen
ihren Mutterstern und den Beobachter schieben; dabei wird ein winziger Bruchteil des Sternenlichts
abgefangen und die scheinbare Helligkeit des Sterns nimmt ein winziges bisschen ab. Die gleiche
Beobachtungsstrategie erhöht die Chancen, auch sehr seltene und kurzlebige Himmelsphänomene
dokumentieren zu können. So könnte sich erstmals nachweisen lassen, wie ein Schwarzes Loch im
Zentrum einer fernen Galaxie einen Stern verschluckt - ein Ereignis, das zu einem nur wenige
Tage dauernden Helligkeitsanstieg führt. Auch auf Überraschungen machen sich die Astronomen
gefasst: "Wann immer Astronomen den Himmel auf andere Weise beobachten als zuvor, machen sie
unerwartete neue Entdeckungen", sagt Prof. Dr. Hans-Walter Rix vom Max-Planck-Institut für
Astronomie: "Pan-STARRS1 sucht erstmals systematisch und weiträumig danach, wie sich der
Nachthimmel mit der Zeit verändert - und mit dieser neuen Art der Beobachtung sind überraschende
neue Erkenntnisse geradezu vorprogrammiert."

Abb.2: Die Galaxie M51 und ihr Begleiter NGC5195, aufgenommen mit Pan-STARRS1. Betrachtet
man das Bild in voller Auflösung, dann entspricht jedes Pixel 0,26 Bogensekunden.
Credit: Pan-STARRS, Institute for Astronomy, University of Hawaii
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Das Pan-STARRS1-Observatorium wurde am Institut für Astronomie der Universität von Hawaii (IfA)
entwickelt und gebaut und befindet sich auf dem schlafenden Vulkan Haleakala. Das Teleskop, das
jetzt den wissenschaftlichen Beobachtungsbetrieb aufgenommen hat, PanSTARRS1 (PS1), ist ein Prototyp
für spätere umfangreichere Durchmusterungen mit insgesamt vier Teleskopen des gleichen Typs.
"PS1 nimmt bereits seit sechs Monaten Daten mit wissenschaftlicher Qualität auf", sagt Dr. Nick
Kaiser, der für das Pan-STARRS-Projekt verantwortliche Wissenschaftler am IfA. "Ab jetzt können
wir den regulären Betrieb starten, bei dem das Observatorium von der Dämmerung bis zum Morgengrauen
Daten sammelt." Damit ist das Teleskop nun vom Testbetrieb zum wissenschaftlichen Beobachtungsbetrieb
übergegangen.
Mit einem Teleskopspiegel von nur 1,8 Meter Durchmesser ist PS1 für die Verhältnisse der modernen
professionellen Astronomie ein eher kleines Teleskop. Allerdings hat PS1 ein außergewöhnlich großes
Sichtfeld vorzuweisen: Etwa 30-Mal so groß wie der Vollmond (sieben Quadratgrad) ist der
Himmelsabschnitt, den PS1 mit einer Aufnahme erfassen kann. Die am Teleskop angebrachte
1,4-Gigapixel-Kamera ist die größte Digitalkamera der Welt und macht PS1 zum derzeit leistungsstärksten
Teleskop für Himmelsdurchmusterungen.
Nachdem die Aufnahme der Daten mit dem PS1-Observatorium nun begonnen hat, wird das Observatorium
im Laufe der nächsten Jahre mehrere Petabytes an Daten produzieren, und könnte jede Nacht etwa 1000
DVDs füllen. Um diese Datenflut verarbeiten zu können, wurde am Rechenzentrum Garching der
Pan-STARRS-Cluster eingerichtet, der mit 150 TB Plattenplatz für die Datenreduktion und erste
Analyseschritte, weiterem Speicherplatz auf Magnetbändern und 700 CPUs bereits seine Arbeit an
den ersten Durchmusterungsdaten aufgenommen hat. Außerdem wurde eine spezielle Software entwickelt,
die anhand der Farbinformationen eine erste Klassifizierung der auf den Bildern identifizierten
Objekte vornimmt und bestimmte Kerndaten wie Temperatur und Extinktion von Sternen oder die Entfernung
(Rotverschiebung) von weit entfernten Objekten automatisch bestimmt.
Hintergrundinformationen
Pan-STARRS (für Panoramic Survey Telescope & Rapid Response System) nutzt die einzigartige Kombination
der besonders guten Beobachtungsbedingungen auf Hawaii mit der dort und an den Partnerinstituten des
internationalen Konsortium vorhandenen technischen und wissenschaftlichen Expertise. Entwicklung und
Konstruktion des Geräts wurde von der US-Amerikanischen Luftwaffe unterstützt, der Betrieb wird durch
die beteiligten internationalen Institute sichergestellt. In der endgültigen Ausbaustufe mit vier
Teleskopen wird Pan-STARRS eine viermal so große Lichtsammelkraft wie PS1 haben. Pan-STARRS ist die
erste große Durchmusterung im sichtbaren Licht seit dem zehnjährigen Sloan Digital Sky Survey (SDSS);
im Gegensatz zum SDSS erfasst Pan-STARRS aber auch die Ebene unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße.
Pan-STARRS sammelt wie SDSS optische und Infrarot-Daten in den Standardfarbfiltern g, r, i und z,
zusätzlich aber auch im y-Band, um die guten Detektoreigenschaften von Pan-STARRS im nahen Infrarot
auszunutzen.
Die PS1-Himmelsdurchmusterungen sind nur möglich durch die Beiträge des wissenschaftlichen Konsortiums
von PS1 (PS1SC, ps1sc.org). Ein Drittel der Beiträge leistet das Institute for Astronomy, University
of Hawaii, wo auch der Pan-STARRS Project Office angesiedelt ist. Ein weiteres Drittel entfällt auf
die Max-Planck-Gesellschaft und ihre beteiligten Institute, das Max-Planck-Institut für Astronomie
in Heidelberg und das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching. Das letzte
Drittel der Beiträge stammt von einer Gruppe vornehmlich britischer und amerikanischer Institutionen:
Johns Hopkins University; University of Durham; University of Edinburgh; Queen's University Belfast;
Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics; Los Cumbres Observatory Global Telescope Network, Inc.;
National Central University of Taiwan.
Andere Pressemitteilungen:
Pan-Starrs Science Consortium Pressemitteilung (in englischer Sprache)
Kontakt:
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