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Geschichtlicher Überblick
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Abriss der Geschichte des MPE
Das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) ist aus der
von Prof. Reimar Lüst am 23. Oktober 1961 geschaffenen Abteilung für
extraterrestrische Physik am Max-Planck-Institut für Physik und
Astrophysik hervorgegangen. Diese Abteilung wurde am 15. Mai 1963
(Senatsbeschluß) in ein Teilinstitut des MPIs für Physik und
Astrophysik umgewandelt. Prof. Lüst wurde zum Direktor des Instituts
berufen. Das MPE ist der experimentellen und theoretischen Erforschung des
Raumes außerhalb der Erde und astrophysikalischer Phänomene
gewidmet.
(
s. Literatur [1])
In den Jahren 1966 und 1969 wurden Prof. Klaus Pinkau und Dr. Gerhard
Haerendel wissenschaftliche Mitglieder am MPE. Prof. Klaus Pinkau wurde 1969
dann Direktor am Institut. 1972 erhielt das MPE eine kollegiale Leitung durch
seine Direktoren. Im selben Jahr wurde Prof. Lüst zum Präsidenten
der Max-Planck-Gesellschaft gewählt und daher von seinen Aufgaben am MPE
beurlaubt. Prof. Joachim Trümper nahm 1975 den Ruf als wissenschaftliches
Mitglied und Direktor am Institut an. Im Jahre 1981 folgte Prof. Pinkau einem
Ruf als wissenschaftlicher Direktor an das Institut für Plasmaphysik
(IPP). Er ist seither vom MPE beurlaubt.
In den Jahren 1984 und 1986 erfolgten die Berufungen von Prof. Gregor E.
Morfill (Theorie) und Prof. Reinhard Genzel (Infrarot- und
Sub-Millimeter-Astronomie)
zu wissenschaftlichen Mitgliedern und Direktoren am Institut. Nach der
Emeritierung von Prof. Trümper und Prof. Haerendel im Jahre 2001 und der
Berufung von Prof. Günther Hasinger (Röntgenastronomie, Nachf.
Trümper) und Prof. Ralf Bender (optische und interpretative Astronomie)
in den Jahren 2001 und 2002 erhielt das Direktorium seine heutige Struktur.
Bei seiner Gründung 1963 hatte das Institut 29 Mitarbeiter davon waren
9 Wissenschaftler und 1 Doktorand. Bis 1975 wuchs die Zahl auf 180 davon
55 Wissenschaftler und 13 Doktoranden. Seit 1973 ist die Zahl der Planstellen
des Institutes nicht gestiegen, vielmehr wurden in den letzten Jahren, ohne
Rücksicht auf die gewaltigen wissenschaftlichen Erfolge, sogar noch
Planstellen gestrichen. Die zunehmenden Aufgaben und internationalen
Verpflichtungen konnten daher in den letzten 20 Jahren praktisch
ausschließlich mit zeitlich befristeten und drittmittelfinanzierten
Stellen aufgefangen werden. Ende 2003 betrug die Anzahl der Mitarbeiter am MPE
267, davon 52 Wissenschaftler und 53 Nachwuchswissenschaftler. Dazu kommen
noch 94 Drittmittelbeschäftigte (davon 84 Wissenschaftler) und 30
Gastwissenschaftler.
Das Institut ist auf Grund seiner international führenden Rolle ein
Anziehungspunkt für wissenschaftliche Gäste aus aller Welt. Die Zahl
der längerfristigen Gäste stieg von 12 im Jahr 1974 bis auf ein
Maximum von72 im Jahr 2000. Im Jahr 2003 waren es dann nur noch 30
Gastwissenschaftler. Durchschnittlich beherbergte das MPE in den letzten
Jahren etwa 50 Gäste.
In den ersten Jahren stand die Untersuchung von extraterrestrischen Plasmen
und der Magnetosphäre der Erde im Zentrum der wissenschaftlichen
Arbeiten. Dazu dienten in situ Messungen von Teilchen und elektromagnetischen
Feldern sowie eine speziell entwickelte Ionenwolkentechnik mit
Höhenforschungsraketen.
Als Forschungsschwerpunkt entwickelten sich in der Folgezeit die
astrophysikalischen Beobachtungen im Infrarot-, Röntgen- und
Gamma-Bereich, bei denen wegen der atmosphärischen Absorption keine
Bodenbeobachtungen möglich sind.
Als Träger für die Experimente wurden Raketen (bisher
über 100) und Höhenballone (bisher über 50; s. z.B.
HEXE) eingesetzt.
Seit den 90-iger Jahren des letzten Jahrhunderts haben sich Satelliten
wegen ihres günstigen Beobachtungszeit zu Kostenverhältnisses als
Trägerplattformen durchgesetzt. Allerdings werden auch hochliegende
Teleskope und hochfliegende Beobachtungsflugzeuge zur Datengewinnung
genützt, wo immer dies möglich ist.
Um die vielen erfolgreichenBeobachtungen und Messungen schnell und effektiv
auszuwerten, gibt es eine starke,
experimentnah orientierte Theoriegruppe am MPE. Die enge Wechselwirkung
von Beobachtung und Theorie am Institut führt zu einer raschen Gewinnung
und Umsetzung neuer Erkenntnisse und damit wieder zu verbesserten Experimenten
und Beobachtungen.
Seit ca. 10 Jahren ist die Theoriegruppe am MPE sehr aktiv im Wissenstransfer
der Forschungsergebnisse aus dem neuen Bereich "Analyse komplexer Systeme".
Dieser Wissenstransfer geht in anwendungsnahe Forschungsgebiete der Medizin
(Frühdiagnose von Hautkrebs, Tumoren, pränatale Überwachung), der
Ingenieurwissenschaften (Fertigungswissenschaften und Qualitätskontrolle) und
des Pharmabereichs (Prüfung und Medikamentenentwicklung).
Durch moderne Beobachtungstechniken auf Satelliten sind über lange
Zeit hohe Datenflüsse aufzunehmen, aufzubereiten und für die
Auswertung zur Verfügung zu halten. Diese enorme Aufgabe wird durch eine
in den letzten zehn Jahren stark gewachsene Datenverarbeitungsgruppe
erfüllt. Für die großen Satellitenprojekte wurden spezielle
Datenzentren eingerichtet, insbesondere das ROSAT Datenzentrum.
Neben den vielen Erfolgen gab es auch Rückschläge. Hart betroffen
war das Institut durch Fehler bei Testflügen von Ariane
Trägerraketen 1980 und 1996. Der Satellit
"Feuerrad"
an dem viele Mitarbeiter des Instituts über Jahre gebaut hatten, ging auf
Grund einer Brenninstabilität der zweiten Stufe am 23. Mai 1980 verloren.
Das gleiche Schicksal ereilte die vier Satelliten der "CLUSTER"-Mission beim
Start der ersten Ariane 5 am 4. Juni 1996. Dieses Mal führte ein Fehler
in der Raketen-Software zur Katastrophe.
Der jüngste Misserfolg war der Satellit "ABRIXAS", ein
unter der Leitung des MPE von der Industrie gebauter Röntgensatellit,
der im April 1999 nach wenigen Stunden in der Erdumlaufbahn wegen eines
Fehlers in der Stromversorgung ausfiel.
Insgesamt jedoch kann das MPE auf eine Geschichte mit vielen wissenschaftlichen
Erfolgen zurückblicken. Eine kleine Auswahl daraus ist im folgenden
zusammengestellt:
- Die Erforschung der Ionosphäre und der Magnetosphäre durch
Ionenwolken (1963 - 1985)
- Die erste Karte der galaktischen Gammastrahlung ( > 70MeV)
gemessen mit dem Satelliten COS-B (1978)
- Die Messung des Magnetfeldes des Neutronensterns Her-X1 mit
Hilfe der Gyrolinie (Ballonexperimente 1978)
- Der experimentelle Nachweis des Rekonnexionsprozesses (1979)
- Der künstliche Komet (AMPTE 1984/85)
- Numerische Simulation einer stoßfreien Stoßwelle (1990)
- Die erste Karte des Röntgenhimmels aufgenommen mit dem
abbildenden Röntgenteleskop des Satelliten ROSAT (1993)
- Die Gamma-Himmelskarte im Bereich von 3 bis 10 MeV gemessen
durch das richtungsauflösende Compton-Teleskop COMPTEL auf dem
Satelliten GRO (1994)
- Das Plasma-Kristall Experiment (1996)
- Die Messung der Element- und Isotopenzusammensetzung des
Sonnenwinds durch das CELIAS Experiment auf dem Satelliten SOHO (1996)
- Die erste Messung von Wassermoleküllinien in einer expandierenden
Sternhülle durch das Fabry-Perot Spektrometer auf dem Satelliten ISO
(1996)
- Erster Nachweis von Röntgenemission von Kometen (1996)
- Nachweis von Gamma-Lininenemission (44Ti) in
Supernovaüberresten (1998)
- Erste Aufnahmen von Planeten (Mars, Venus) im Röntgenlicht (2001)
- Die Bestätigung der Existenz eines supermassiven schwarzen Lochs
im Zentrum der Galaxis (2002)
Erweiterungsbau
Im Herbst 2000 wurde, nach gut zweijähriger Bauzeit, unser Erweiterungsbau
fertiggestellt und bezogen. Neben den Büro- und Laborräumen haben wir nun auch
einen großen Seminarraum für etwa 200 Personen und mehrere kleine
Besprechungsräume. Damit sind nach über 15 Jahren wieder alle Arbeitsgruppen
des Instituts in einem gemeinsamen Gebäude untergebracht.
Fotos des Erweiterungsbaus
Fotos von der Einweihungsfeier
Luftbilder vom Mai 2001
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Literatur / Institutsfilme
- Dr. Ulf von Rauchhaupt, ein ehemaliges Mitglied des MPE, hat mehrere
Artikel zur Geschichte der Institutsgründung und zur damaligen
Situation der Forschung in Deutschland verfasst:
- Zum 40-jährigen Jubiläum des MPE und dem im gleichen Jahr 2003
gefeierten 80. Geburtstag des Institutsgründers Prof, Reimar
Lüst wurde eine
Broschüre (pdf, 37 MB)
herausgegeben. Sie enthält den Rückblick von Prof. R. Lüst
auf seine Laufbahn unter dem Titel
"Vom Meeresboden zur Erdoberfläche in den Weltraum"
und den Beitrag
des "jüngsten" Direktors am MPE, Prof. Ralf Bender mit dem Titel:
"Schwarze Löcher am MPE".
- Seit 1963 erscheinen Jahresberichte des MPE. Ab dem Jahre 1998 sind sie auch im Internet verfügbar:
Jahresberichte / Jahresstatistiken
2007 wurde beschlossen keine weiteren Jahresberichte mehr zu verfassen.
Den früher in den Jahresberichten enthaltenen Statisitikteil findet man nun in den Jahresstatistiken und die
Fachbeiratspräsentationen ersetzen
in gewissem Sinn die Berichte zu den wissenschaftlichen Arbeiten am Institut, fassen aber immer mehrere
Jahre zusammen.
Der aus historischer Sicht besonders interessante erste Jahresbericht
1963 - 1965 ist als pdf-Dokument (3.1 MB) verfügbar:
Jahresbericht 1963 - 1965
- 1980/81 wurde ein 20-minütiger Film über wissenschaftliche
Ballon-"Flüge" aus MPE Material zusammengestellt.
MPE Ballon Film (MPEG-Format; 430 MB)
Da der Film nur mit Musik unterlegt ist, gibt es eine extra Seite mit
einer
Beschreibung des Films.
- 1995 wurde ein erster 10-minütiger Film über das Institut
erstellt. Er ist inzwischen natürlich leicht veraltet.
MPE Film von 1995 (MPEG-Format; 109 MB)
- 2003 wurde zum 40-jährigen Bestehen des MPE ein neuer
7-minütiger Film über das Institut und seine Aufgaben
erstellt.
MPE Film von 2003 (MPEG-Format; 138 MB)
- 2007 wurde für den Fachbeirat ein Film über die eindrucksvollen
technischen Einrichtungen des Instituts erstellt.
Instrumentierung und Technologieentwicklung am MPE
(2007; 22 Minuten, mp4-Format; 90 MB)
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