ROSAT entdeckt Röntgenstrahlung des Kometen Hyakutake

Ungewöhnliche Intensität / Schwankungen der Röntgenhelligkeit innerhalb von Stunden / Insgesamt neun Messungen gelungen


Deutsche Fassung ..... English version

Zum ersten Mal ist es gelungen, die Röntgenstrahlung eines Kometen nachzuweisen. Diese von Fachleuten als "außergewöhnlich" eingestufte Entdeckung am Kometen "Hyakutake" machte am 27. März der deutsche Röntgensatellit ROSAT (Start: Juni 1990) bei seinem 32000. Umlauf um die Erde. Inzwischen sind mit ROSAT von dem Kometen insgesamt neun Röntgenbeobachtungen von jeweils 2000 Sekunden Dauer geglückt.

Das gaben die beteiligten Wissenschaftler Dr. Konrad Dennerl, Jakob Englhauser, Dr. Jürgen Schmitt und Prof. Joachim Trümper vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE), Garching bei München, sowie Dr. Casey Lisse, Dr. Michael Mumma und Dr. Robert Petre vom NASA Goddard Space Flight Center (GSFC), Greenbelt, Maryland/USA, am 4. April 1996 in einer gemeinsamen Presseerklärung bekannt.


Schwieriges Unternehmen

"Die Stärke der Röntgensignale und die Schwankungen ihrer Intensität innerhalb von Stunden haben uns sehr überrascht", erläutert Dr. Dennerl vom Garchinger Max-Planck-Institut, "denn es war keinesfalls sicher, daß wir im Röntgenlicht überhaupt etwas sehen würden". Dennoch hatten die Wissenschaftler beschlossen, kurzfristig das ROSAT-Beobachtungsprogramm zu ändern -- ein schwieriges Unternehmen: Der Komet "Hyakutake" bewegte sich nämlich sehr rasch über den Himmel, mit ungefähr einem Grad (entsprechend zwei Vollmond-Durchmessern) pro Stunde. Für solche Beobachtungen ist ROSAT nicht konzipiert worden. Außerdem war ungewiß, wie die Stern-Kamera, die dem Satelliten die für seine Orientierung notwendigen Informationen anhand angepeilter Sterne liefert, reagieren würde, wenn ihr mit dem Kometen plötzlich ein sehr helles Objekt "mitten ins Gesicht scheint". Es besteht dann die Gefahr, daß ROSAT sich zu seiner eigenen Sicherheit automatisch abschaltet und "für einige Zeit schlafen legt".

Deshalb entschlossen sich die Wissenschaftler, "Hyakutake" zunächst nur dann ins Visier zu nehmen, wenn ROSAT über die Bodenstation Weilheim/Oberbayern hinwegfliegt und direkter Kontakt mit dem Satelliten besteht. Das dauert gewöhnlich etwa zehn Minuten. In dieser Zeit besteht die Möglichkeit, die Daten sofort, in "real time", am Bildschirm zu verfolgen -- und notfalls einzugreifen, falls der Satellit sich ungewöhnlich verhalten sollte.

Es war ein Glücksfall, daß ROSAT den Kometen beobachten konnte. Denn seine starr angeordneten Solarzellen müssen ständig auf die Sonne ausgerichtet sein, damit der Röntgenspäher die für seine Arbeit notwendige Energie erhält: Dadurch kann ROSAT immer nur einen bestimmten Teil des Himmels anschauen -- und genau in diesem Bereich hielt sich der Komet kurz nach seiner größten Annäherung an die Erde tatsächlich auf.


Enge Zusammenarbeit

An drei Tagen waren alle Bedingungen für die Beobachtung des Kometen erfüllt: In enger Zusammenarbeit schafften es die Spezialisten des Kontrollzentrums der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (GSOC/DLR) in Oberpfaffenhofen und des Max-Planck-Instituts, in der Zeit zwischen dem 26. und 28. März, also unmittelbar nach seinem Vorbeiflug an der Erde, "Hyakutake" in das Gesichtsfeld von ROSAT zu bekommen und die ersten Röntgenbilder eines Kometen zu erhalten. Die in Rekordzeit prozessierten Aufnahmen -- es mußten die Eigenbewegungen des Kometen und des Satelliten korrigiert werden -- machte der "High Resolution Imager" (HRI), die vom amerikanischen Partner für ROSAT gebaute Röntgenkamera.

Sie zeigen nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler "ein sichelförmiges Strahlungsgebiet, das ganz eindeutig zur Sonne hin orientiert ist". Nicht der Kern des Kometen leuchtet im Röntgenlicht, sondern die ihn umgebende Gaswolke ("Koma"). Nach ersten Abschätzungen regt darin die von der Sonne kommende, natürliche Röntgenstrahlung vor allem die vom Kometenkern abgedampften Wassermoleküle -- speziell den Sauerstoff bei 525 Elektronenvolt -- zum "Fluoreszieren" an. Ob diese Vorstellung richtig ist, oder ob die Röntgenemission durch die Wechselwirkung des Kometen mit dem Sonnenwind erzeugt wird, müssen genauere Untersuchungen zeigen.

Eugen Hintsches


Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag steht Ihnen im Rahmen Ihrer Berichterstattung zur - auch teilweisen - Auswertung ohne Namensnennung zur Verfügung.
Hinweis: Von dieser Abbildung senden wir Ihnen auf Wunsch gerne ein Farb-Dia zu. Bitte schreiben Sie uns oder rufen Sie einfach die MPG-Pressestelle an,
Telefon-Nummer: 089/2108 1274 - Telefax: 089 / 2108 1111.
Die Veröffentlichung des Bildes ist mit Quellenangabe honorarfrei.

Pressereferat der Max-Planck-Gesellschaft, Postfach 101062, 80084 München, Telefon 089/21080, Telefax 089/2108-1111
Redaktion: Walter Frese, Michael Globig, Eugen Hintsches (Chef vom Dienst), ISSN 0170/4656

 ..... forschungsberichte und meldungen aus der max-planck-gesellschaft .....

Obenstehende Information wurde vom Max-Planck-Institut für extraterrestische Physik (MPE), Garching bei München, zur Verfügung gestellt.

Weiterführende Verbindungen:


Created by Konrad Dennerl / 1996-Apr-09 , updated: 2004-Nov-24